ZEITVerschwendung.

Trailer sind ein zweischneidiges Schwert – auf der einen Seite sollen sie Lust auf mehr machen, dürfen andererseits nicht zu viel verraten. Sie sollen polarisieren, aber zeitgleich jeden neugierig machen. Trailer sollen provozieren, aber niemanden verschrecken. Die ZEIT veröffentlichte am 15. Juli über Twitter einen Trailer beziehungsweise Teaser, der für reges Treiben in der VfB-Welt sorgte. Das Versprechen: Morgen erscheint ein Artikel, der bisher Unbekanntes an das Tageslicht bringen wird. Zwei Tage vor der Mitgliederversammlung 2021.

Das sich solch ein Artikel massiv auf die Wahlentscheidung vieler auswirken könnte, dürfte jedem klar sein. Laut ZEIT-Journalist @OliFritsch haben er und sein Kollege @marcbrost “monatelang” an diesem Artikel gearbeitet. Da stellt sich natürlich die Frage: Wieso wird er jetzt erst veröffentlicht? Die Informationen müssen brisant sein, und sie sollen mit voller Wucht einschlagen.
Oder – es ist ein Gefälligkeitsartikel, den zwei anerkannte Journalisten auf Geheiß der “alten Seilschaften” tippen, nachdem in den letzten Wochen bereits mehrere Redaktionen in und um Stuttgart das Schreiben solcher Artikel ablehnte. Obwohl mit “exklusiven Informationen” in Form von Verträgen und Protokollen gewedelt wurde.

Zugegeben – ich war gespannt wie ein Flitzebogen. Der Datenskandal hat unseren VfB massiv beeinflusst. Ich selbst habe mich bis zur Nasenspitze in dieses Thema gekniet, und in den Machtkampf der darum entstanden ist. Ich habe immer betont – ich bin nicht “Team Vogt”, sondern habe mir das Etikett “#TeamVfB” von Ron Merz geliehen. Also bin ich auch noch #TeamVfB , wenn die ZEIT Informationen veröffentlicht, die Claus Vogt nachhaltig belasten würden. Ich will den besten Präsidenten für den VfB, der Name ist mir egal – genau diesen Satz habe ich sowohl Claus Vogt als auch Pierre-Enric Steiger gesagt.

Und groß war die Verwunderung. Und Enttäuschung. 45 Seiten habe ich nun durchgearbeitet. Nach dem Aussortieren der Kapiteldarstellungen – der ZEIT-Artikel wurde als vierteilige Serie veröffentlicht – blieben noch ungefähr 40. Die “Hard Facts” könnte man wahrscheinlich auf zwei Seiten zusammenfassen. Und was gibt es Neues?
“Nichts” wäre falsch. Die ZEIT hat einige Zitate zusammen getragen von bislang unbeteiligten Personen. Offensichtlich hat die ZEIT auch vertrauliche Verträge, Protokolle und andere interne Papiere vorliegen. Hierauf werde ich später noch eingehen. Doch wie brisant sind diese Informationen nun einzuordnen?

Der Claus Vogt von Glashütte.

Wahrscheinlich wussten sowohl Herr Fritsch als auch Herr Brost, dass ihr Artikel nicht gerade mit riesigen Inhalten strotzen kann. Anders ist mir nicht zu erklären, warum die Beschreibung von Vogts Wohnort und Haus fast genau eine Artikelseite einnimmt. Irgendwie empfand ich es als sehr überflüssig, zu wissen dass “manchmal, wenn der Wind gutsteht (sic!), […] ein leichter Schokoduft bis nach Glashütte” weht. Weil Ritter Sport in Waldenbuch seinen Firmensitz hat, wie jeder ordentliche Schwabe und/oder Schokoladenkenner wissen sollte. Claus Vogt soll im ersten Teil der Serie als dubioser (seine Firma geht einer “nicht ganz so angesehenen Tätigkeit”, einem “Drecksg’schäft” nach), geltungsgeiler (“Denn hier zeigt einer, was er liebt – und wer er ist” – im bescheidenen Örtchen Waldenbuch!), Rebell und Querulant (“Vogt ist Aktivist” und will “am liebsten die Champions League abschaffen”) dargestellt werden.
Framing nennt sich das – also durch gezielte Formulierung einen Rahmen schaffen, in dem der Leser das gelesene auffassen soll. In diesem Fall wird meist mit undurchsichtigen Fragestellungen und negativ konnotierten Wörtern gespielt, um dem Leser das Gefühl zu geben er säße mit den beiden Journalisten, die monatelang recherchiert haben, in einer rauchigen Kneipe bei Dämmerlicht. Und man flüstert sich gegenseitig ungeheure Informationen zu – man hat etwas “herausgefunden”, darf das aber nur unter vorgehaltener Hand weitertragen.
Dafür nutzt man vorallem den Konjunktiv und bezieht sich gerne auf Experten, die jedoch bis auf eine Ausnahme nie beim Namen genannt werden. Es bleibt bei “Schattenspielern”, wie zum Beispiel im Satz: “Einige sprechen schon vom “Vogt-Land”, manche tun dies mit einer sorgenvollen Stimme.”.
Weiter wird Vogt mit einem kleinem “Heer aus Getreuen” umringt (dem FC PlayFair!), das “nicht zufällig” entstanden sei, und wegen dem erhöhten “akademischen Anstrich” von erfahrenen “Bundesliga-Bossen wie Christian Seifert” aber “nicht ernst genommen” wird.
Der kleine Vogt, mit seinem großen Heer aus Akademikern – laut Seifert (aber auch hier ohne Zitat) eine Lachnummer, die nichts zu Stande bringt und trotzdem so gefährlich ist.
Anschließend geht es mit wilden, unbelegten Behauptungen weiter – Vogt habe Sitzungen in den ersten Wochen (!) seiner Amtszeit schlecht geleitet und habe offensichtlich ein Problem mit seinem Gedächtnis.
Nun aber der erste dicke Vorwurf: Vogt soll Sitzungsprotokolle verfälscht haben. Doch was ist da dran?
Auf den ersten Blick wirkt es dubios, dass man Diskussionspunkte im Nachhinein einem Protokoll hinzufügen lässt. Noch merkwürdiger finde ich, dass Protokolle im Normalfall erst dann als “gültig” beschlossen werden, wenn sämtliche Anwesenden unterschrieben oder anderweitig zugestimmt haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das beim VfB Stuttgart anders ist. Bezeichnend, das sogar im Artikel erwähnt wird dass die beiden anderen Präsidiumsmitglieder “keine Freunde Vogts” seien – namentlich Rainer Mutschler und Dr. Bernd Gaiser. Zwei wesentliche “Player” im Datenmissbrauchsskandal. Ich zumindest möchte nicht ausschließen, dass diese beiden im Nachgang ihre Zustimmung zum Protokoll “vergessen” haben. Interessant ist auch, dass bei dieser Präsidiumssitzung wohl nur Vogt, Mutschler, Gaiser und der Protokollant dabei waren. “Mehrere Beteiligte”, die sich an diese Sitzung erinnern, lässt sich dann ganz schnell auf zwei bis drei Namen reduzieren, die offensichtlich kein Problem damit haben Mailwechsel, Protokolle und Interna an die ZEIT weiter zu geben.
Außerdem ist von einem Dokument die Reden, in dem Gaiser und Mutschler sämtliche Verfehlungen Vogts aufzeichnen – dieses war nur für den Vereinsbeirat bestimmt. Und liegt nun bei der ZEIT.

Schattengedanken.

Im weiteren ersten Teil strotzt die Artikelserie mit weiterem Framing, einem Fehler (der Präsident des VfB kann aufgrund seiner Doppelstimme keine Präsidiumsabstimmung mit 1:2 verlieren. Korrektur: Dies gilt nur bei “Unentschieden” – Danke an @Poveretto) und stellt wilde Behauptungen auf:
ESECON, die Anwaltskanzlei die durch den Verein (!) beauftragt wurde, den Datenmissbrauch zu untersuchen, habe schon viel früher von der Datenaffäre gewusst, hätten dann ja gar nicht so unabhängig und neutral ermitteln können und seien generell ein dubioses Firmenkonzept.
Der Vorwurf, dass Esecon schon früher Bescheid gewusst hätte, machen die beiden Redakteuer an folgendem Sachverhalt fest: Der zitierte Kicker-Artikel von Benni Hofmann erschien im Print am 28.9.2020. Am selben Tag traf sich Christian Jürgensen von Esecon Legal Services mit Claus Vogt, genauer um 11.30 im Raum 2007 der VfB Geschäftsstelle. Das geht der ZEIT ungewöhnlich fix. Außerdem wird vermutet, dass Vogt sich ja vielleicht (!) schon einen Tag vorher mit einem Esecon-Mitarbeiter getroffen haben könnte (!), weil aus den Reiseaufzeichnen des namentlich nicht bekannten (!) Esecon-Mitarbeiters hervorgeht er sei am 27.9.2020 von Böblingen nach Filderstadt gefahren und habe dort sogar übernachtet. Warum und weshalb weiß niemand.
Nun muss man den Zeit-Redakteuren vielleicht erklären, dass Filderstadt ungefähr 10 Kilometer von Glashütte, Vogts Wohnohrt, entfernt ist. Während Böblingen ganze 15 Kilometer entfernt liegt. Wer schon mal auf den Fildern unterwegs war weiss, dass 5 Kilometer keinen großen zeitlichen Unterschied ausmachen. Wirklich Sinn ergibt dieses Gedankenkonstrukt daher nicht. Zumal die ZEIT in der weiteren Verlauf betont, dass “erstaunlich viele Mitarbeiter von Esecon ihren Wohnsitz ein Baden Württemberg” haben.
Man stelle sich vor, jemand hätte tatsächlich einen Termin dort, unabhängig vom VfB. Der helle Wahnsinn!
Doch was ist mit dem anderen Vorwurft – Esecon habe ja schon viel früher von dem Datenskandal gewusst! Das ging doch alles viel zu schnell!
Nun, erst mal erschien der Kicker-Artikel zwar am 28.9.2020 in Printform. Online war eine kürzere Version jedoch schon am Nachmittag des 27.9.2020 abrufbar , und wie wir aus meinem Gespräch mit Claus Vogt wissen, ging eine Anfrage zu dieser Thematik “ungefähr ‘ne Woche vorher” beim VfB ein.
Entweder haben die beiden Journalisten hier also schlampig recherchiert, oder sie versuchen bewusst eine verdächte Geschwindigkeit der Vorgänge aufzuzeigen, obwohl diese in der Realität garnicht bestand.
Das Interview mit Claus Vogt habe ich dir hier an der entsprechenden Stelle verlinkt:


Weiters werden Claus Vogt die Kosten Esecons vorgeworfen, es wird der Eindruck erweckt diese seien zu hoch. Den beiden Zeit-Redakteuren wünsche ich, nie einen Anwalt zu benötigen – sie könnten angesichts der Stundenhonorare vom Stuhl fallen. In dem betroffenen Absatz wird übrigens ausschließlich auf die eventuell anstehenden hohen Kosten eingegangen – ohne auf die Versicherung, die wohl einen Großteil der Kosten übernimmt, zu erwähnen. Diese wird erst später genannt, aber auch hier wieder in Frage gestellt, da “diese Zahlung aber noch nicht in Gänze erfolgt sei.” – was bei den meisten Versicherungsfällen Gang und Gäbe ist.

Das meiner Meinung nach dickste Brett ist ein Zitat von Harald Stenger: “Dass Claus Vogt von Fritz Keller die Firma Esecon empfohlen worden sein soll, wie es damals zu lesen war, ließ bei mir alle Alarmglocken läuten.” Stenger wird vorgestellt als “Kenner der Medienszene” – woher er seine Expertise zu Kanzleien haben soll wird nicht aufgeklärt.
Zur Person Harald Stenger sollte man folgendes wissen: Stenger war von 2001 bis 2012 unter anderem Pressesprecher des DFB – und wurde nach 11 Jahren im Amt durch Jens Grittner ersetzt. Laut fr.de “gegen seinen Willen”. In der Vergangenheit ließ Stenger wenig Gelegenheit aus, die mediale Präsenz zu suchen und dabei meist gegen den DFB und seine Verantwortlichen zu schießen. Unter anderem hier und hier gegen Fritz Keller, hier gegen Reinhard Grindel.

Ulkig finde ich ja den Vorwurf an die Medienlandschaft, niemand würde sich trauen GEGEN Claus Vogt zu schreiben – alles sei nur positiv für ihn ausgelegt. Den dubiosen Robin Hood aus Glashütte, der nix kann, keine Befürworter im Verein hat aber so unfassbar mächtig ist, dass selbst die Spiegel-Redaktion vor ihm erzittert. Vielleicht haben die beiden Redakteure ja noch nichts von Carlos Ubina, Jens Ottmann oder der B*** gehört?

Die Anfänger

Im dritten Teil der Serie arbeiten sich Marc Brost, Oliver Fritsch und Arne Storn dann an Thomas Hitzlsperger ab. Und hier wird es jetzt immer dünner – Thomas’ Verdienste für den VfB werden nacherzählt, dass er bei den VfB beliebt war (ich behaupte: ist.), anschließend wird über Hitzlspergers offenen Brief sinniert, und dass Hitzlsperger vielleicht kein Sportvorstand mehr wäre, hätte der VfB weniger Punkte geholt. Interessant fand ich die Äußerung, “es ist fraglich, ob die Satzung erleubt (sic!), sowohl Vorstand der AG als auch Präsident des e.V. zu sein.”. Nein, ist es nicht. Es ist möglich – aufgrund einer Satzung, die unter anderem von den “alten Seilschaften” verabschiedet worden ist. Auch deshalb hat Ron Merz seinen Satzungsänderungsantrag eingereicht. Mir stellt sich die Frage, wie intensiv die “monatelange Recherche” denn nun wirklich war, wenn man dies nicht mal erwähnt.

Der ZEIT-Artikel wird immer schwieriger zu lesen – auch weil sich ganze Passagen wiederholen. Vorallem dass Claus Vogt Nachfolger von Wolfgang Dietrich wurde, die beiden ein Gegenentwurf sind – ich glaube, ich habe diesen Absatz 3 mal gelesen. Auch der Rest ist im Grunde genommen eine etwas ausführliche Wiederholung der ersten beiden Artikel, gespickt mit viel Spekulatius und Zitaten von nicht genannten Personen (“Und einer, der der Innenleben des VfB aber auch vieler anderer Profiklubs kennt, sagt” – Hallo Herr Buchwald!) die nichts Wesentliches oder Neues beizutragen haben.
Die Essenz des dritten Artikels: Hitzlsperger hat Mist gebaut, ist noch frisch im Amt, hat noch keine Erfolge vorzuweisen und es gibt beim VfB Gruppen, die ihre Interessen über die des Vereins stellen – namentlich genannt werden der Freundeskreis, angedeutet werden wieder die “alten Seilschaften”, auch Wilfried Porth wird beschrieben – gar mit einem “Vetorecht bei der Suche nach weiteren Investoren” ausgestattet. Angeblich heißt es so in Stuttgart. Nochmal: Hallo Herr Buchwald.

Bild von https://www.vfb.de/de/vfb/aktuell/neues/club/2021/60-geburtstag-guido-buchwald/

Vogt Army.

Der letzte Teil der Serie geht dann nochmal in die Vollen: Zwei Gesprächspartner von ZEIT ONLINE haben geweint (Hallo Frau Maintok, Hallo Herr Erhard!), für sie sei der VfB Herzenssache! Ganz anders als für den zwielichtigen, durchtriebenen Fairplay-Vogt!
Und wieder wird die Drohkulisse aufgebaut, dass Thomas Hitzlsperger und Claus Vogt nicht zusammen arbeiten können, dass Hitzlsperger und Mislintat vor dem Absprung stehen, wenn Claus Vogt wieder gewählt wird.
Puh – Muss man da wirklich noch dagegen halten? Beide hatten ihren Ausfall, beide haben sich offenbar zusammen gerissen. Zuletzt war sogar von einer Vertragsverlängerung von Hitzlsperger zu lesen. Hiervon natürlich kein Wort bei der ZEIT.
Auch von der Satzungskommission und den bei der Mitgliederversammlung anstehenden Satzungsänderungen schreibt die ZEIT nichts, wirft Vogt aber zeitgleich vor er wolle den VfB an den Mitgliedern vorbei in ein “Vogt-Land” verwandeln.
Und dann wird es wild: Prof. Dr. André Bühler, derzeit Vereinsbeirat, soll der karrieregeile Bückling Vogts, gleichzeitig aber sein “Macher” im Hintergrund sein. Sein Pseudonym in Göppingen sei “Highness” und ein offenes Geheimnis.
Außerdem verfüge Vogt neben Intrigenmeister Bühler nicht nur über seine Heerschar an akademischen PlayFair-Rebellen, sondern könne sich außerdem auf seine Elite-Einheit, die Blogger, Podcaster (Hallo!) und Twitterer verlassen: “Rund 100 Leute auf Twitter bestimmen das Meinungsbild in Stuttgart”, sagt “ein Kenner der Szene.”.
Angeblich entstammen auch Vogt und Bühler selbst “diesem Milieu”, auch wenn ich glaube dass den Journalisten bei diesem Bezug lediglich die Feder durchgegangen ist.
Abschließend wird sogar noch prophezeit dass es keine Überraschung wäre wenn der VfB bald wieder öfter verliert.
Wegen Claus Vogt. Wegen Thomas Hitzlsperger. Wegen unseren Blogs, Podcasts, Twitter, komischen Werten wie Diversität und Nachhaltigkeit, weil Esecon-Mitarbeiter in Baden-Württemberg wohnen und weil (ehemalige) Vereinsbeirät*innen bei der ZEIT dicke Tränen vergießen.
Es ist alles ganz furchtbar. Und es wird noch schlimmer.

Das Nachspiel

Schon kurz nach Erscheinen des Teasers entlud sich eine Welle der Entrüstung über der Zeit und den beiden genannten Autoren. Auch ich empfinde den Zeitpunkt der Veröffentlichung als höchst befremdlich.
Trotzdem muss man neue Erkenntnisse natürlich berücksichtigen, wenn es um die Wahl unserer Vertreter beim VfB Stuttgart geht – allein, es gab keine. Zumindest nichts, was Deine Wahl pro Vogt oder pro Steiger beeinflussen sollte.

Was nicht neu, aber immer klarer und damit auch erschreckender wird: Es gibt Menschen beim VfB, die bereit sind geheime und vertrauliche Dokumente und Informationen nach Außen zu tragen, um Meinung zu machen. Und es gibt Journalisten, die freiwillig dafür herhalten.
Die Artikelserie der ZEIT strotzt vor unnötiger Prosa, dutzenden Wiederholungen in Satz und Sinn, unbelegten Behauptungen, Zitaten, Fehlern und vorallem: Oberflächlichkeit. Das waren keine “monatelangen Recherchen”. Das waren ein paar Anrufe, ein paar geleakte Dokumente und der Versuch, es möglichst NICHT nach Gefälligskeitsjournalismus aussehen zu lassen.
Den Redakteuren war scheinbar selbst das Nachlesen der Satzung oder das Bemühen von Google Maps zu aufwendig – oder sie hatten hierfür nicht die Zeit.

Interessant finde ich hierbei die Reaktion von Oliver Fritsch auf solche Vorwürfe:

Auch hier wieder: Framing. Die böse schwäbische Online-Community. Aber hach, sie haben’s ja nicht leicht. Die Unwissenden. Man habe bei Esecon “genauer” hingeschaut – raus gekommen ist nichts außer einem Haufen Vermutungen und Unterstellungen. Und dann wird schnell umgelenkt auf die Opferrolle: Dürfe man nichts über Thomas Hitzlsperger schreiben, weil er bei der ZEIT sein Outing hatte (natürlich darf man das?), es gäbe ja zwei journalistische Lager, und das Hitzlsperger-Lager traue sich ja nur nicht etwas zu schreiben (ich erinnere an die bösen 100 Twitterer!), es würde am Fußball vorbei diskutiert (wo im Artikel dreht es sich eigentlich um Fußball?) und man habe ja sein Bestes gegeben.
Sorry Oli, aber ich weiß dass DAS nicht “dein Bestes” ist.

To do

Ich habe in den letzten Wochen ganz bewusst keinerlei Wahlempfehlungen ausgesprochen, auch wenn ich bereits weiß wen ich wähle. Ich habe kritische Fragen an Claus Vogt und Pierre-Enric Steiger gestellt, habe die Präsidiums- und Vereinsbeirats-Kandidat*innen befragt, so dass jedes Mitglied im “Dunstkreis” der Bruddelei die Möglichkeit hat, sich ein eigenes Bild zu machen.
Und damit bin ich nicht alleine – Unser VfB ist reich an Blogs, Podcasts, tollen Twitter-, Facebook- und Foren-Accounts. Jede*r hat eigene Präferenzen, ein eigenes Couleur – und das ist verdammt wichtig!
Trotzdem ist es unsere Aufgabe, jeden (!) Verantwortlichen beim VfB Stuttgart kritisch zu beurteilen. Wir müssen uns anhand dessen, was wir wissen, und dessen, was wir sehen, ein Bild machen. Manchmal werden diese Bilder verzerrt – Artikel wie die von der ZEIT helfen dabei leider nicht.

8 Gedanken zu „ZEITVerschwendung.“

  1. Kleine Korrektur (wenn ich es richtig verstanden habe): Vogt hat auch nur eine Stimme im Präsidium. Nur bei einem Unentschieden, zählt seine Stimme mehr.

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  2. Wie sieht es eigentlich mit den 11.800 Euro für die “Strategie- und Kommunikationsberatung CV” aus? Warum gehst du in deiner Kritik nicht darauf ein? Ist es nicht von Interesse, dass die Firma Esecon, die ja die Untersuchung geleitet und den Zwischenbericht angefertigt hat, gleichzeitig Vogt in Sachen Kommunikation beraten hat? Ist es nicht seltsam, dass zufällig genau dieser Zwischenbericht bei StZ und Spiegel erscheint? Die dann beide Artikel verfassen, in denen Vogt positiv dargestellt wird.
    Warum gehst du in deiner Kritik nicht auch darauf ein?

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    • Hey!
      Sorry erstmal für das späte Freischalten – allerdings kam ich erst jetzt zum Antworten 🙂
      Ich habe in meiner Kritik tatsächlich viele Punkte ausgelassen die mir noch aufgefallen sind, weil es einfach zu viel war, und sich meine Kritik am Ende ähnlich wiederholt hätte wie die Absätze in der Artikelserie 😉
      Bezüglich den 11.800 € habe ich folgende Gedanken:
      – Die Zeit selbst beschreibt ja, dass Esecon eine Firma mit mehreren Abteilungen/Tochtergesellschaften ist, aufgrund der Formulierung ist unklar, ob es sich um dieselben “Abteilungen” der Firma handelte, die Vogt beraten haben. Zumal ein Nachweis wie bei allen Behauptungen im Artikel bis auf Vogt’s Antwort ja ausblieb. Da fehlt es mir erstmal an Details.
      – Grundsätzlich finde ich es nicht verdächtig, dass man sich eine Kommunikationsberatung holt, wenn es um einen dermaßen riesigen Skandal geht – da kann es ja auch darum gehen, WIE man diesen jetzt an die Öffentlichkeit kommuniziert und, ich denke da an die arbeitsrechtlichen Prozesse, überhaupt kommunizieren DARF.
      – Wäre es geschickter gewesen, sich von einer anderen Firma beraten zu lassen? Vielleicht. Vielleicht hätte dies aber auch zu noch mehr Problemen geführt, weil eine weitere externe Firma vl. garnicht den Einblick in die Tatsachen hätte haben dürfte wie Esecon diese hatte. Nicht dass man da den nächsten Datenschutzverstoß begeht. Schwierig zu sagen.
      – Den zeitlichen Zusammenhang sehe ich da insofern eher bedingt, da in dieser Zeit ja einige Berichte erschienen sind, die, wie ich ja auch versucht habe aufzuzeigen, tatsächlich in alle Richtungen gingen. Prinzipiell ist es aber ein riesen Problem das es scheinbar hüben wie drüben Mitarbeiter im Verein oder bei externen Dienstleistern gibt, die kein Problem haben interne Dokumente nach Außen zu tragen. Ob dies von Vogts Seite kam kann man denke ich nicht beantworten – wird es aber evtl. können, falls das in Zukunft wieder geschieht. Hier müssen wir die Augen offen halten.

      Grundsätzlich sehe ich auch hier dass das Framing seitens der Zeit seine Aufgabe tut: Esecon wird durch viele Behauptungen in eine “zwielichtige” Ecke gestellt. Und dann liest man natürlich im Nacheinein alles was kommt, in genau diesem Licht. Besonders auffällig und unlogisch fand ich es in dem Abschnitt der Serie, in dem behauptet wird, die Arbeiter würden “kommen und gehen” und niemand würde die Firma kennen – anschließend berichtet man aber darüber, dass die Firma lange Jahre für den WDR tätig war, und zählt mehrere langjährige Beschäftigte auf.

      Um es kurz zu machen: Mir fehlen die Infos, bzgl wirklich Handfestes, um hier Vogt einen Strick draus zu drehen. Ich denke und hoffe aber, dass unser Aufsichtsrat und das Präsidium (damals noch Mutschler und Gaiser!) sämtzliche Ausgaben absegnet und “mitgeht”, wodurch sich dann auch die Vermutung der Befangenheit auflösen sollte.

      Was ganz wichtig ist: Ich fand diesen Artikel unter aller Sau. Und ich war bislang mit Vogts Arbeit zufrieden – vorallem bin ich aber der Meinung, dass ein Datenmissbrauch rückstandslos aufgeklärt werden muss. ABER: Vogt ist nun gewählt – jetzt gilt es, ihn und die anderen Vertreter kritisch zu beleuchten, und ihn an seinen Versprechen zu messen. Das werde ich auch weiterhin auf dem Blog und im Podcast tun, das kann ich Dir versprechen. Mir geht es, wie im Blogbeitrag erwähnt, um den VfB. Und nicht um einzelne Personen. Niemand ist größer als unser Verein!

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  3. Sehr cool dem Herrn Fritsch die Klamotten abgezogen. Besser kann man es nicht analysieren. Ist wiederum nicht allzu schwer, derZEIT-Artikel ist sehr bald als Luftnummer zu erkennen.
    Bisschen schade um die ZEITverschwendung. An sich halte ich von Fritsch durchaus was, sein Hartplatzheldenprojekt, Hut ab. Aus der Zeit, als er darum kämpfen musste, weiß er übrigens sehr wohl Bescheid über Anwaltskosten…er stand locker vor der Möglichkeit einer Privatinsolvenz.
    Erstaunlich, dass da kein Lektor nochmal drüber gegangen ist.

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    • Hi Ulf,
      vielen Dank für Deinen Kommentar!
      Ja, ich find’s ja grundsätzlich gut wenn man diesen ganzen Prozess kritisch durchleuchtet – und war auch sehr gespannt auf etwaige neue Erkenntnisse. Aber das war halt echt nix, und ich frage mich schon warum die beiden angesehenen (!) Journalisten sich mit so einer schlampigen Schreibe/Recherche zufrieden geben. Ich hätte noch deutlich mehr Wiederholungen, Behauptungen, Fehler,… mit einbringen können, wollte aber auch meinen Beitrag nicht zu sehr ausufern lassen.
      PS: Sehr cooles Buch! 😉

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